Namibia 2006/2007


Was lange währt wird endlich gut.....
Namibia - aus der Luft und zu Fuß


Es ist Sonntag, der 24. Dezember 2006, die Haube des "Trüffelschweins" schließt sich, der Motor läuft auf vollen Touren und langsam rollen wir auf der 35 los zum Start. 24. Dezember? Trüffelschwein?

Ja, gestern sind wir in Windhoek angekommen. Von dort aus ging es im Taxi weiter nach Pokweni, wo wir neun Tage fliegen wollen. Sabine Holthausen übernimmt in Deutschland die Buchungen für Pokweni (http://www.pokweni.de/) und mit ihrer tatkräftigen Unterstützung haben wir die DG500-22M "JB" gechartert, welche hier den Kosenamen "Trüffelschwein" trägt.

Unsere Reise begann eigentlich schon 2003, - mit einem Preisausschreiben.
"14 Tage Flug und Unterkunft in Namibia", so hieß es, gewinnt derjenige Verein, der die meisten Abonnenten für "Segelfliegen" wirbt. Und so wurde in der Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd eifrig geworben und Abonnements abgeschlossen und tatsächlich standen wir zum Schluss als Gewinner auf dem Treppchen. Da ich die meisten Abonnenten geworben hatte, war es nach kurzer Diskussion im Verein auch klar, daß ich diese Reise antreten durfte.

Doch es sollten noch fast drei Jahre vergehen, bis wir uns endlich mit gepackten Koffern und gespannter Vorfreude auf den Weg machen konnten. Eike, mein Freund, hatte sich entschlossen als Passagier bei mir mitzufliegen. Ebenso hatten wir uns entschieden, anschließend noch zwölf Tage Land und Leute ein wenig kennenzulernen.

Auf Pokweni angekommen begrüßen uns Analie und Jos van der Merwe, denen die Farm gehört, überaus herzlich. "Kennt Ihr schon Rock-Shandy? Das trinkt man hier gerne wenn es heiß ist!" Jos, Analie und ihre beiden kleinen Töchter Emilia und Helena sorgen unter anderem sofort dafür, daß wir uns hervorragend aufgehoben und immer gut betreut fühlen. Auch ist die Stimmung auf Pokweni sehr familiär und wir verbringen abends viele gemeinsame Stunden auf der Terrasse. Oder fahren zum "Sun-downer" auf einer Düne. Analie`s Essen lässt einen gewiss nicht ans Abnehmen denken!

Morgens nach dem Frühstück ist immer Briefing. Axel Nuss sorgt dafür, daß wir jeden Tag - soweit das die Internet-Verbindung hergibt - gut über Wetter und Flugstreckenmöglichkeiten informiert werden. Leider hat bei einem Gewitter der Blitz in einen Fernseh-/Radio-/ Satellitenturm bei Kalkrand eingeschlagen, was die Internet- Verbindung nicht gerade schneller macht! Die Pfanne von Pokweni liegt ca. 3 Kilometer von der Farm entfernt und wir werden jeden Flugtag mit dem Toyota hingebracht und wieder abgeholt.


Briefing

"Startaufbau"

Letzte Vorbereitungen

Die Pfanne


Das Wetter hat sich leider dazu entschlossen unseren Aufenthalt genau zwischen zwei 1000-er Wetterlagen zu legen und so haben wir uns häufig mit Schauern und Gewittern herumzuschlagen. Die Schauer sind teilweise so ergiebig, dass sich die Pfanne von Pokweni in eine Seenlandschaft verwandelt. Wir taufen sie kurzerhand in "Lake Pokweni" um, und müssen uns auf die Beobachtung von Enten, Gänsen und Marabus beschränken. Nach zwei Tagen mit heftigen Gewittern ist es endlich soweit und ich kann am 24.12. mit Axel meinen Einweisungsflug machen. Er geht über 420 Kilometer und macht mir die weitere Umgebung des Platzes ein wenig vertraut.


Gewitter

Schauer

Lake Pokweni

Uferpromenade


Die ersten Entwicklungen zeigen sich in der Regel zwischen 11 und 12 Uhr in 1000m über Grund. Der Start um 11:17 verläuft gut und die DG bringt uns zuverlässig in die Luft. In ca. 1750 Metern NN kann ich den Motor abstellen und wir kurbeln im reinen Segelflug an die Basis, welche recht rasch auf etwa 2000 bis 3000 Meter ansteigt, wobei man die Bärte eher als gut mitteleuropäisch beschreiben kann. Das Fluggebiet im Norden ist durch den Luftraum von Windhoek begrenzt.

Die Navigation in diesem weiten, kaum bewohnten Land stellt eigentlich keine allzu großen Ansprüche. Auffanglinien wie Strassen, Flussläufe und die großen Salzpfannen sind gut zu sehen und lassen auch ein Navigieren ohne PDA-Unterstützung problemlos zu. Allerdings sollte man immer darauf achten, die nächste Aussenlandemöglichkeit in erreichbarer Nähe zu haben denn viele Gegenden sind unlandbar - und ob der Motor gerade dann auch wirklich anspringt? Auch sind einige Landestrips für Flugzeuge mit 20m und mehr Spannweite nicht immer geeignet. Unser Weg führt zuerst in den Nordosten, er empfängt uns mit guter Entwicklung. Von dort versuchen wir, soweit es geht in den Süden zu kommen, allerdings muß man immer zurückschauen, schon am frühen Nachmittag bauen sich zum Teil gewaltige Gewitter auf.




Anflug auf die 35 über den Lake Pokweni
(Windows Media Video, 15.4 MB)


Der Süden ist dafür blau und stabil. Also fliegen wir über Bitterwasser zurück und schauen, wie weit wir in den Westen kommen. Aber auch hier sind schon viele Wolken auseinandergelaufen und es regnet stellenweise. Gut 100 km westlich Pokweni entschließen wir uns, den Heimweg anzutreten. Der verläuft relativ reibungslos, so dass wir nach fünf Stunden Flugzeit auf der 17 zur Landung ansetzen können. Noch eine Herausforderung zum Abschluss dieses Fluges: wo setze ich auf der 2500 Meter langen Bahn auf, dass ich genau vor dem nassen Rand der Pfanne zum Stehen komme? Aber auch das klappt recht gut, so dass Axel mit mir zufrieden ist und mir die DG ohne Bedenken anvertrauen kann. Die anschließenden Flüge mache ich mit Eike als Co. Von den geplanten neun Flugtagen kommen wir mit "unserer JB" schlußendlich an sechs Tagen in die Luft.


Schauriger Flug

Sanddünen

Die Winde

Sonnenuntergang


Es gelingen uns schöne Flüge, bei denen wir ca. 35 Stunden in der Luft sind und Strecken zwischen 300 und 630 km zurücklegen können. Die Landschaft ist gigantisch. Berge, ein Vulkan, rote Dünen, Steppenlandschaft - alles sehr weitläufig und wenig bewohnt, aberabwechslungsreich. Wenn man nach Mariental fliegt sieht man auch viele bebaute Felder, da dort ab dem Hardap-Staudamm der Fish-River Wasser führt.

Weihnachten und den Jahreswechsel haben wir so noch nie verbracht. Das Menü an Heilig Abend wird durch einen heftigen Gewitterguss unterbrochen und den Nachtisch müssen wir uns auf der Veranda schmecken lassen. Und wer feiert schon ins neue Jahr auf einer Düne unter gigantischem Sternenhimmel mit nur drei Sektkorken die knallen, und einigen Wunderkerzen als Feuerwerk?


Sundowner

Sonnenuntergang

Sternegucken

Sylvester


Am 01.01.07 werden wir mit dem Taxi wieder nach Windhoek gebracht. Der Abschied von Pokweni fällt uns sehr schwer, obwohl wir ja noch 12 interessante Tage zu erwarten haben.

Mit unserem Nissan 4x4 Dachcamper fahren wir am 02.01.07 von Windhoek aus Südwesten in die Naukluftberge, wo wir im Tsauchab River Camp übernachten. Unser schönster Campground auf der ganzen Reise. Die wenigen Stellplätze liegen weitverstreut und einsam an einem Flussbett. Jeder Stellplatz hat einen Grillplatz und eigene Sanitäranlagen, welche in hervorragendem Zustand sind. Unser Häuschen ist mit Natursteinen zwischen die Stämme eines Baumes gemauert - absolut sehenswert!


Nissan 4x4 mit Dachzelt

Tsauchab River Camp

Tsauchab

Richtung Sossusvlei


Über Sossusvlei mit seinen über 200m hohen Dünen aus rotem Sand geht es weiter. Am Morgen geniessen wir im Sossusvlei das Schauspiel der aufgehenden Sonne, die den roten Sand in ein atemberaubendes Licht taucht. Langsam gewöhnen wir uns auch an das Fahren auf der linken Straßenseite in einem rechts gesteuerten Auto.


Tsauchab Canyon

Das Sossusvlei

Wanderung durch die Dünen

Pflanzen der Wüste


Unser nächstes Ziel liegt am Atlantik, WalvisBay und Swakopmund. Nach den 45°C der Wüste ist uns hier an der Küste regelrecht kalt. Wir erkunden Swakopmund, die nahegelegene Mondlandschaft mit ihren bizarren Felsstrukturen, die der Swakop-River tief in die Ebene gegraben hat und schauen ehrfürchtig auf die zum Teil 1500 Jahre alten Welwitschia Pflanzen, welche nur dort wachsen. Weiter im Norden sind die Felszeichnungen von Twyfelfontein. Sie können leider nur noch zum Teil und nur geführt besichtigt werden, da Witterung und Touristen schon allerhand Schaden angerichtet haben. Aber es hat sich trotzdem gelohnt!


Swakopmund

Am Atlantik

Moon Landscape

In Twywelfontain


Zwei Tage verbringen wir im Etosha Nationalpark die riesigen Zebra- und Antilopenherden, Giraffen, Nashörner, Löwen und unzählige andere Tiere gibt es zu beobachten.


Olifantsbad

Nicht so einfach...

Am Wasserloch

Zebranachwuchs


Über Hohenfels geht es weiter zum Waterberg. Dort angekommen ersteigen wir zuerst den Trail zum Plateau. Die Kletterei ist sehr schweißtreibend! Aber für den Ausblick lohnt es sich.

Unser letzter Übernachtungsplatz liegt 30 Kilometer nördlich Windhoek, wo wir bei einer Fütterung drei Leoparden und einen Geparden aus nächster Nähe bewundern können. Am 12.01. sind wir früh wach, denn es gibt da so viele Vögel, die bei Anbruch der Dämmerung anfangen zu singen, und man denkt, man steht in der Wilhelma in der Voliere! Wir sind etwas traurig, da es heute heißt, alles für den Flug zu packen!


Hohenfels Campsite

Waterberg Plateau

Leopard

Gepard


Nachdem wir in Windhoek unser Auto wieder abgegeben haben, bleibt uns noch Zeit, die Stadt anzuschauen und zu bummeln. Nachmittags werden wir mit dem Bus abgeholt und zum Flughafen gefahren.

Der Heimflug ist recht schlaflos, denn wir sitzen gleich neben der Toilette! Und dann hier ankommen, das Schmuddelwetter, rechts Auto fahren, die Arbeit, zum Teil unfreundliche Leute...... Wir haben uns schon Gedanken über`s Auswandern gemacht.......

Wir möchten "Segelfliegen" und speziell Walter Eisele danken, dieses Abenteuer ermöglicht zu haben. Ebenso der Familie van der Merwe und Axel Nuss für die tolle Betreuung in Pokweni.

Wir kommen wieder!


Unsere Reiseroute + weiter Bilder in Google Maps,
einfach aufs Bild klicken



Diese Seite ist Teil eines Frames, hier geht es zurück zu Startseite