
Die jungen Flieger mit den "Alten"
oft schärfste Diskussionen halten.
Was sich hierbei ergeben kann,
zeigt folgende Geschichte an.
An einem schönen Segeltage
stellt Piefke hoffnungsvoll die Frage:
"Wie wär's mit einem Streckenflug?
Die Thermik ist heut stark genug,
und frische Quellbewölkung kündet,
daß man konstanten Auftrieb findet.
Die Wolkenbasis 1000 Meter -
das typische "Rückseitenwetter"!
Doch der Bezirksflugleiter spricht:
"Dein Können reicht hiezu noch nicht!
Was weißt Du schon von "Streckenwetter",
von solchen Dingen hörst Du später.
Bei d i e s e r Art von Wolkendecke
darf deinesgleichen nicht auf Strecke,
hast keine Ahnung, was Dir blüht,
wenn's Dich in eine Wolke zieht!
Trotz Riesenslip und stärkstem Drücken
kann Dir der "Durchstoß" dann nicht glücken,
denn Deine Kiste - ungelogen -
wird noch am Schwanz emporgezogen!
Das Risiko ist mir zu groß,
zum Streckenflug darfst Du nicht los."
Jetzt kommt der Piefke aus der Ruhe:
"Hört mir bloß auf mit dem Getue!
Ihr halt't Euch nur allein für klug
und gönnt der Jugend keinen Flug.
Wie soll ich jemals weiterkommen,
wenn solche Chancen mir genommen!
Wo nur die "a lt e n S ä c k e" fliegen,
da wird man niemals N a c h w u c h s kriegen!"
Durch Piefkes Arroganz verbittert
der Lehrer ihm jetzt scharf erwidert:
"Mein junger Freund, so geht's nicht weiter,
ich bin hier der Bezirksflugleiter,
der offiziell darüber wacht,
daß kein Pilot mehr Blödsinn macht!
Hier in der dritten Dimension
fungiere ich als Amtsperson
und muß Dich deshalb vor Gefahren
in meinem Luftrevier bewahren.
Dein Flugvorhaben deckt sich nicht
mit dem Gesetz der Luftaufsicht,
auch das Gebot der Sicherheit
warnt Dich vor Überheblichkeit!
Drum sei Du heute kurz belehrt,
was so zum "Streckenflug" gehört:
Von ausschlaggebender Bedeutung
ist sachgemäße Vorbereitung.
Wer je auf Strecke gehen will,
prüft erst das Wind- und Wolkenspiel.
Ein äußerst wichtiges Moment
ist auch der "Wärmegradient",
denn nur das Temperatur-Gefälle
bestimmt die Kraft der Aufwind-Quelle.
Bei zweifelhafter "Diabate"
zieht man den Wetterfrosch zu Rate,
der alle Instabilitäten
erforscht mit feinsten Meßgeräten
und dann das Wetter prophezeit
mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit.
Das letzte Wort vor jedem Starte
spricht darum stets die Wetterwarte!
Sie meldet Dir die Abwindzonen
und auch die bösen "lnversionen",
die manchen Flieger irritieren,
weil sie sehr schwierig aufzuspüren.
Nur wohlgeübte "alte Hasen"
erkennen jene Wolkenstraßen,
die - ohne Höhe zu verlieren -
sie dann auf weite Strecken führen.
Manch junger Pimpf ins Unglück rennt,
weil er nicht die Gefahren kennt,
die hinter grauen Wolkenmauern
beim Streckenfluge auf ihn lauern!
Die "Sichtflugregeln" außerdem
sind ein höchst schwieriges Problem,
umrahmt vom Paragraphen-Netz,
durch S. B. 0. und Luftgesetz!"
Jetzt kann sich Piefke nicht mehr halten:
"Das ist so typisch bei Euch Alten,
daß Ihr der Jugend - kurz und scharf -
nur sagt, was sie n i c h t machen darf!
Der Vorschrifts-Rummel heutzutage
wird langsam schon zur Landesplage;
mit Paragraphen-Reiterei
holt ihr uns Jungen n i e herbei,
weil dann der Nachwuchs - rasch entfremdet -
sich einem a n d e r n Sport zuwendet.
Laßt mal der Jugend freien Lauf,
dann hört bald jede Vorschrift auf!
Und dann mit Eurer "Theorie" !
Gewiß - Ihr seid hier ein Genie
mit Worten und auch mit Gebärden
und könntet leicht Professor werden.
Mich kann das wenig interessieren -
ich will es praktisch ausprobieren!
Auch glaub ich aus Erfahrung nicht
an jeden Wetterstandsbericht,
weil oft das Wetter über Nacht
ganz anders wird, als man gedacht!
Und dort, wo wir von "Brüchen" reden,
ist Nachwuchs nicht allein vertreten!
Auch sogenannte "Flug-Experten"
manchmal zu Bruchpiloten werden,
die Unfallchronik zeigt es klar:
Selbst Lehrer sind nicht unfehlbar.
Kein Mensch glaubt mehr an große Wunder,
auch "alte Hasen" fallen runter!"
Durch Piefkes grobe Ketzereien
kann keine Ordnung mehr gedeihen!
Drum macht der Lehrer - voll Verdruß -
mit Diskussion und Flugdienst Schluß.
Doch wer nun r e c h t hat von den beiden,
ist äußerst schwierig zu entscheiden!
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