
Der Chefpilot zu Piefke spricht:
"Heut war der letzte Unterricht,
und morgen Vormittag um neun
wird Ihre Abschlußprüfung sein !"
Bedrückt schleicht Piefke zur Kantine
und tilgt - mit ahnungsvoller Miene -
ein doppelt starkes "Henkersmahl"
zur Dämpfung seiner Prüfungsqual.
Als er sich dann zur Ruhe legt,
ein böser Alpdruck ihn erschreckt:
Im Traum besteigt er seine Kiste,
als ob er heut noch starten müßte!
Verfolgt von schwerem Prüfungswahn
fängt er im Bett zu rudern an
und träumt jetzt - in der letzten Nacht -
vom Flug, den er erst morgen macht.
Grundsätzlich drückt ihn das Gefühl,
daß diesmal gar nichts klappen will;
nicht nur der Flugplatz - auch die Leute
erscheinen ihm verändert heute!
Der Prüfungsrat für Luftverkehr
nimmt ihn sofort ins Kreuzverhör
und stellt dann leider durch den Test
bei Piefke schwerste Lücken fest!
Er weiß nichts von den Vorschriftsarten,
die dort im Luftraum auf ihn warten,
und scheint noch weniger zu ahnen
vom Sinn der Start- und Landebahnen.
Der "Schilderwald" am Flugplatzrand
ist ihm zur Hälfte unbekannt,
und er vertauscht in gleicher Weise
die Rollbahn mit der Einflugschneise.
Mißtrauisch hat der Prüfer jetzt
ihm folgendes Problem gesetzt:
"Sie fliegen dreimal eine "Acht",
wie man sie vorschriftsmäßig macht !"
Doch ungeahnte Schwierigkeiten
den Piefke hier zum Start begleiten:
Beim Rollen fällt sein linkes "Bein"
in ein verstecktes Loch hinein!
Als er mit "Gas" zu Hilfe geht,
sein Flugzeug sich im Kreise dreht,
wobei der ganze Flugplatz lacht,
was ihn jetzt noch verrückter macht!
Die stark verbeulte Radverkleidung
beschäftigt nun die Werkstattleitung,
so daß man zunächst voll Verdruß
den "Prüfungsflug" verschieben muß.

Jetzt kommt mit wutverzerrter Fratze
der Chefpilot zum Unfallplatze,
und während der Defekt behoben
beginnt er fürchterlich zu toben:
"Sie Uhrmacher, Sie Bruchpilot,
Sie kriegen demnächst Startverbot!
Wer an den "Zick-Zack-Kurs" sich hält,
beim Rollen nie ins Loch reinfällt!
Der Schaden, den Sie hier gemacht,
wird durch Sie selber aufgebracht -
noch eine solche Rollerei,
dann ist's mit Ihrem Schein vorbei!"
Der Piefke weiß: Samt seiner Kiste
steht er jetzt auf der Schwarzen Liste,
und voller Unbehaglichkeit
macht er sich nochmals startbereit.
Der Angstschweiß auf der Stirne steht,
als er jetzt in den Wind eindreht,
denn deutlich spürt er im Genick
des Prüfers haßerfüllten Blick!
Die Pulle restlos vorgeschoben
zieht er die Kiste steil nach oben
und ist nur von dem Wunsch beseelt,
daß er nicht rückwärts runter fällt.
Doch seines Traumes Wunderkraft
ihn mühelos nach oben schafft,
und frei von jeder Erdenschwere
durchfliegt er rasch die Troposphäre.
Der Wolken buntgemischten Zug
erkennt er klar bei diesem Flug;
sie staffeln sich hier Schicht um Schicht
- genauso wie beim Unterricht.
Jedoch am Tor zur Stratosphäre
empfängt ihn unheilvolle Leere,
denn plötzlich stoppt des Motors Lauf,
und jeder Steuerdruck hört auf.
Erhöhte Kopflast ihm beweist,
daß seine Kiste schwer vereist,
und hilflos - mit entsetztem Blick
stürzt er zur Erde jetzt zurück.
Sein Fahrtwind steigert sich nun schon
zum heulenden Sirenenton,
sein Staudruck liegt mit Sicherheit
hart an der Schallgeschwindigkeit!
Die Steuerung vom Eis blockiert,
er rettungslos nach unten schmiert,
durchstößt die letzte Wolkenwand
und wartet auf den Aufschlagbrand...
Als es zum Abschluß furchtbar kracht
- ist Piefke wieder aufgewacht!
Verstörten Blickes - schweißbedeckt
liegt er am Bettfuß hingestreckt.

Doch seine andern Schlafgenossen
sind durch den "Absturz" sehr verdrossen
und frotzeln ihn mit groben Witzen:
"Du hast wohl wieder einen sitzen?"
Wir sind gespannt, wie's Dir noch geht,
wenn Du im Schlaf schon durchgedreht;
bleib still in Deiner Bettvertiefung
- erst morgen ist die Abschlußprüfung !"
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