Ein Mensch, der hoch im Aufwindfeld
nach frischen "Bärten" Umschau hält,
wünscht sich hierzu ein Fluggerüst,
das möglichst leicht und wendig ist.
Nur so erreicht er nämlich schnell
den Anschluß an den Thermikquell,
und ungetrübtes Aufwärtssteigen
wird sich zumeist als Folge zeigen.
Doch wenn sich - bei Gewitterflügen -
die Flächen weit nach oben biegen,
dann wünscht derselbe Flieger sehr,
daß sein Gerät auch haltbar wär' !
Denn selbst das höchste Thermikglück
läßt wenig Freude nur zurück,
wenn sich bei turbulenten Stößen
die Flügel von dem Rumpfe lösen.
So steht der Mensch seit alter Zeit
im ungelösten Widerstreit
von Festigkeit und Fluggewicht
- denn diese zwei verstehn sich nicht!
Soviel auch die Experten streiten
und tausend Pläne vorbereiten,
kommt doch in dieser Zweifelsfrage
nie eine Einigung zutage.
Zum Glück erhält der Staat uns hier
die Sicherheit im Luftrevier,
denn sein Gesetz sagt klar und scharf,
w a n n unser Flügel brechen darf.
Anstatt uns teilnahmsvoll zu fragen,
wie hoch uns uns're Flügel tragen -
durchprüft er nur von Zeit zu Zeit
die vorgeschriebene Festigkeit.
Und wenn nach kurz begrenzter Frist
die "Zulassung" erloschen ist,
klopft ein gestrenger Prüfungsmann
an unserer Flugzeughalle an.
Dann wird die "Kiste" - schön garniert -
zur Nachkontrolle vorgeführt,
und alles wartet sehr erregt,
was der Herr Prüfer wohl entdeckt.
Als erstes prüft er, ob die Flächen
in Wuchs und Form dem Plan entsprechen,
und kontrolliert auf jeden Fall
den Flügelholm auf Schwingungszahl.
In fast sadistischer Ekstase
beklopft er jede Sperrholznase,
und wenn er einen "Hohlraum" findet,
wird dies mit lautem Schrei verkündet!
Dann deutet er mit leichtem Grollen
auf schlecht geschmierte Umlenkrollen,
auf ungenaue Bolzenführung
und mangelhafte Schutzlackierung.
So schnüffelt er in allen Ecken
nach Fehlern, die sich dort verstecken,
und alles, was er aufgespürt,
wird sorgsam zu Papier geführt.
Um seine Fachkenntnis zu zeigen,
läßt er dann eine Rede steigen,
die auch den Dümmsten instruiert
wie man ein Flugzeug aufmontiert.
"Ein Flieger" - so beginnt er jetzt -
"der blindlings sich ins Flugzeug setzt,
vergißt im Eifer offenbar
das Risiko der Bruchgefahr!
Drum sei der Mensch vor jedem Start
zunächst sein eigner Flugzeugwart
und prüfe - ohne jede Eile -
mißtrauisch alle Einzelteile.
Bei Rudern, Lagern und Segmenten
muß man sein Auge darauf wenden,
daß Bolzen, Beilagscheibe, Splint
stets lückenlos vorhanden sind.
Nachdem man sorgsam "ausgetrimmt"
und alle Ruder abgestimmt,
entferne man zum Abschluß auch
Fremdkörper aus dem Flugzeugbauch.
Sonst können eingedrungene Schlangen,
Füllklötze, Raspeln, Kombizangen,
Leimtöpfe und vergessene Zwingen
die Steuerung zum Stillstand bringen!
Erst wenn die Inspektion vorbei,
wird harmlos Eure Fliegerei,
weil jetzt -nach amtlichem Beschluß-
die "Kiste" funktionieren muß.
Nun stempelt Euch der Vater Staat
den "selbstgestrickten" Apparat
und hofft, daß Ihr für lange Zeit
vor jedem Sturz behütet seid !"
Sobald des Prüfers Spruch beendet,
wird pflichtgemäß Applaus gespendet
und dann das Flugzeug hochbeglückt
zum Testflug in die Luft geschickt.
Hier muß es erst mit flachen Kreisen
die "kleine Tauglichkeit" beweisen,
um dann durch wilde Kurbeleien
die letzte Skepsis zu zerstreuen.
Zum Abschluß gibt der Prüfungstest
den Anlaß für ein Freudenfest,
und hiezu lädt der Flugverein
den Prüfer samt Gemahlin ein.
Bei Rundgesang und frischem Bier
durchwandert man das Luftrevier
und schwebt bereits nach kurzer Zeit
abseits von jeder Sachlichkeit.
Der Prüfer denkt mit feuchtem Blick
an seine Jugendzeit zurück,
wo er noch selber FIieger war,
und meint zum Schluß: "Der Fall geht klar!"
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