Als in den ersten Nachkriegsjahren
die Brüche ziemlich häufig waren,
schrie man nach einem "Schnell-Patente",
das dieses Übel steuern könnte.
Vor allem gab es Ungemach,
wenn irgendwo ein Schleppseil brach,
denn manchem blieb hier durch den Schreck
die Fassung und die Spucke weg!
Hier wurden viele "Heilmethoden"
erfunden - oder auch verboten -
und jeder meint, daß seine Lehre
als einzige unfehlbar wäre!
So schimpft in sehr gereiztem Ton:
Die Segelfliegerkommission,
der F.S.I., der Referent,
der Aero-Vizepräsident,
und schließlich schimpft noch hinterher
das Ministerium für Verkehr!
Um diese Not beim Schopf zu fassen,
wird amtlich ein "Dekret" erlassen:
"Der Bruchbetrieb geht nicht so weiter
Man rufe die Bezirksflugleiter
mit Fahrbefehl und Urlaubsschein
zu einem Sonderlehrgang ein
und prüfe dort mit jeder Kiste,
wie man sich wohl verhalten müßte
nach Seilriß und in all den Fällen,
die zu den "abnormalen" zählen.
Es müssen hier die Flugexperten
selbst zu Versuchskaninchen werden !"
So schreibt in amtlich strengem Ton:
die Segelfliegerkommission,
der F.S.l., der Referent,
der Aero-Vizepräsident,
und zu dem Lehrgang bittet sehr
das Ministerium für Verkehr!
Der Windenschlepp, der nun beginnt,
den Prüfling fast zum Rasen bringt!
Ganz gleich, ob früher oder später,
ob zwanzig oder hundert Meter -
er muß sich stets drauf vorbereiten
daß - zu höchst unerwünschten Zeiten -
ein böser Mann das Seil "abzwickt",
so daß hier nie ein Hochstart glückt!
So sucht man uns mit allen Mitteln
heimtückisch aus der Luft zu schütteln
und jeder hängt nach kurzer Weile
verzweifelt am gezwickten Seile!
Es zwickt in schräger Ambition:
Die Segelfiiegerkommission,
der F.S.l., der Referent,
der Aero-Vizepräsident
und schließlich zwickt noch hinterher
das Ministerium für Verkehr!
Trotz eifrigster Gefahrenpflege
bringt niemand einen Bruch zuwege.
Von allen Höhen, allen Seiten
lernt man die Landung einzuleiten;
auch Nebel, Regen, Rückenwind
bald völlig ohne Einfluß sind
und selbst bei angebrochener Nacht
wird mancher tolle Flug gemacht.
Man schleicht an die Gefahren dann
auch mittels Flugzeugschlepp heran
und plötzlich hat der "Zwickverein"
den Schleppflug- und den Kunstflugschein.
Jetzt erntet wohlverdienten Lohn:
Die Segelfliegerkommission,
der F.S.l., der Referent,
der Aero-Vizepräsident
und schließlich brüstet sich auch sehr
das Ministerium für Verkehr!
Doch als der Lehrgang längst vorbei,
schwirrt noch ein Amtsbrief zur Kanzlei
der vielgeplagten Flugplatzleitung
und meint, daß laut Gerichtsentscheidung
ein Fliegersprößling übrig wäre
als Folge der Gefahrenlehre!
Die "Ursprungsforschung" ginge leider
in diesem Fall nur zögernd weiter,
denn jeder schwöre frank und frei,
daß "er" es nicht gewesen sei!
So flickt der Lehrgang diesen Riß
mit einem letzten Kompromiß:
Es zahlt für ihren jüngsten Sohn:
Die Segelfliegerkommission,
der F.S.l., der Referent,
der Aero-Vizepräsident,
und schließlich zahlt noch hinterher
das Ministerium für Verkehr!
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