
Wenn sich zur herbstlich späten Zeit
die Hallentore schließen,
pflegt grenzenlose Einsamkeit
in Piefkes Herz zu sprießen.
Dann werden Flugzeug und Gerät
in ihrem Stall verstaut
und voller Sehnsucht ausgespäht
nach einer Fliegerbraut.
Nun ist auch Piefke gern bereit
streng "bürgerlich" zu leben
und sich in seiner freien Zeit
der Liebe hinzugeben.
Denn wenn die Thermik abgeflaut
und die Motoren schweigen,
kann Piefke sich bei seiner Braut
als Mustergatte zeigen:
Er geht mit ihr ins Opernhaus,
ins Kino und Theater,
und führt sie oft zum Tanzen aus
wie ein verliebter Kater.
So balzt er durch die Faschingszeit,
fernab vom Fluggelände,
und zeigt sich voller Männlichkeit -
bis an des Winters Ende
Doch als das Rollfeld aufgetaut
und Frühlingswinde wehen,
läßt Piefke seine arme Braut
am Flugplatzrande stehen.
Denn nunmehr lockt die Flugsaison
mit thermischen Gewalten
und endigt Piefkes Ambition,
sich männlich zu entfalten.
Doch seine Braut zeigt sich verletzt
durch solche "Nebentriebe"
und mahnt ihn voller Nachdruck jetzt
zur Stärkung seiner Liebe.
Verzweifelt fleht der Bräutigam
zu seiner Fliegerbraut:
"Am Sonntag wird als 'Dienstprogramm'
ein Kompromiß gebaut:
Ich mache mich gleich startbereit,
um thermisch loszufliegen,
und du bleibst in der Zwischenzeit
schön in der Sonne liegen"
Doch Piefkes Braut ruft tief ergrimmt:
"Das könnte dir so passen,
daß man mich bloß zum Flugplatz nimmt,
um dann allein zu lassen.
Dort, wo die Flieger unentwegt
von Wind und Wolken schwätzen,
fühlt sich kein Mädchen angeregt
sich stumm hinzuzusetzen.
Nur wenn es regnet oder schneit
weichst du vom Flugplatzzaune
und kommst zu mir für kurze Zeit
mit miserabler Laune.
Du gehst mir sonntags nicht mehr fort -
sonst schwör' ich dir schon heute:
Durch deinen blöden Flugzeugsport
sind wir getrennte Leute!"
Jetzt lenkt Herr Piefike mühsam ein:
"Das werden wir schon kriegen ...
Ich bleibe nachmittags daheim,
doch morgens will ich fliegen!"
Höchst widerwillig muß die Braut
den Vorschlag akzeptieren,
obwohl sie ihm nur halb vertraut
bei seinen Flugallüren.
So eilt Herr Piefke - leicht erregt -
zu seinem Sonntagswerke,
wo er bald einen Bart entdeckt
von ungeahnter Stärke.
Hier hat er dann im Thermikglück
sein Liebchen rasch vergessen
und kommt zum Mittag nicht zurück
und nicht zum Abendessen!
Erst nach der Landung wird ihm klar,
daß schon am ersten Tage
sein Vorsatz völlig sinnlos war
auf Grund der Thermiklage.
Geknickt schleicht er ins Brautgemach
und schwört mit beiden Händen,
den fliegerischen Sonntagskrach
in Zukunft abzuwenden.
Jedoch sein Liebchen glaubt ihm nicht
trotz aller heißen Schwüre
und setzt - mit grimmigem Gesicht -
den Heuchler vor die Türe.

Hier sieht Herr Piefke langsam ein:
Bei seinem schwachen Willen
wird er wohl nie befähigt sein,
den Brautstand auszufüllen.
Er weiß - auf Grund der Fliegerei
kann er dies nicht betreiben,
so daß es zunächst besser sei,
noch unbeweibt zu bleiben.
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