Herr Piefke, der seit langer Zeit
nur "Schulungsrunden" drehte,
bekrittelt seinen Lehrer heut
mit vorwurfsvoller Rede:
"Ihr sturer Karussell-Verkehr
darf nicht mehr Iange dauern,
weil sonst die Schüler immer mehr
durch Stumpfsinn hier versauern !
Der allzu strenge Vorschriftszwang
auf Start- und Landegassen
erweckt des Schülers Sehnsuchtsdrang,
den Platzrand zu verlassen.
Es kann doch nicht so schwierig sein,
mal über Land zu gehen
und sich die Umwelt ganz allein
von oben anzusehen."

Der Lehrer meint: "Zum ersten Flug
nach unbekannten Fernen
kann man als Schüler nie genug
an Fernflug-Technik lernen.
Hier muß des Fliegers Adlerblick
stets in die Ferne schweifen,
um rechtzeitig und mit Geschick
die Gegend zu begreifen.
Nur so kann kluge Taktik dann
zu dem Ergebnis führen,
daß Landschaftsbild und Kartenplan
beständig harmonieren.
Du kannst von mir aus heute schon
auf ,Kleine Strecke' gehen
und wirst - nach kurzer Exkursion -
mein Lehrsystem verstehen !"
So dämpft er Piefkes Fernflug-Gier
mit sachlich-klugem Rate
und schickt ihn dann ins Luftrevier
auf völlig fremdem Pfade.
Doch kaum hat dieser unverzagt
die "Pulle" vorgeschoben,
wird er schon von dem Trieb gepackt,
sich endlich "auszutoben".
Er will den Flug auf jeden Fall
zu "Liebchens" Wohnort führen,
um endlich seinem Schatz einmal
als "Held" zu imponieren.
So schwenkt er aus dem Kurs heraus
in sträflich-frecher Weise
und dreht um seines Mädchens Haus
tollkühne Bodenkreise.

Doch als er schließlich in der Hast
zu dicht herangekommen,
hat er des Hauses Rundfunkmast
zur Hälfte mitgenommen.
Bestürzt von diesem Mißgeschick
läßt er sein Liebchen stehen,
um schnell - mit schuldbewußtem Blick -
auf alten Kurs zu gehen.
Damit die hohe Polizei
sein "Nummernschild" nicht sehe,
geht er mit seiner Fliegerei
fluchtartig in die Höhe.
Dort - hinter dichter Nebelwand
und grauer Wolkendecke -
rast er dann weiter über Land
in sicherem Verstecke.
Doch leider bleibt sein Blindflug nur
von äußerst kurzer Dauer,
denn bald verliert er jede Spur
in seiner Wolkenmauer.
Horizont, Pinsel, Kompaßzahl
beginnen wild zu tanzen,
und Piefke scheint sich dieses Mal
gewaltig zu verfranzen.
Denn schielt er auf das Land hinaus
von seines Flugzeugs Warte,
sieht dieses völlig anders aus
als wie auf seiner Karte:
Dort wo laut Karte weit und breit
tiefgrüne Wälder sprießen,
sieht Piefke voller Bitterkeit
nur Ackerland und Wiesen.
Und wo die Karte - riesengroß -
ihm einen "Strom" verkündet,
fließt nur ein Bach, der anspruchslos
sich durch die Gegend windet.
Da Piefke jetzt am Himmelszelt
den Weg nicht mehr gefunden,
faßt er den Plan, die Bodenwelt
im "Tiefstflug" zu erkunden:
Er schnüffelt nach der Bundesbahn,
nach Straßen und nach Flüssen
und will aus deren Lage dann
auf seinen Standort schließen.
Jedoch nachdem er lange Zeit
im Kreis herum "gesprungen",
wird er zum Schluß durch Sprit-Knappheit
zur Notlandung gezwungen.
Auf freiem Feld läßt er den Flug
spontan zu Ende gehen
und bleibt mit schwerem Flügelbruch
in einem Graben stehen ...

Jetzt ruft er seinen Lehrer an,
um ihn zu informieren
und bittet ihn bescheiden dann,
das "Kleinholz" zu kassieren.
Er schwört, beim nächsten Streckenflug
treu auf dem "Strich" zu bleiben
und unerlaubten Brautbesuch
und Blindflug zu vermeiden.
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