Motorflieger Piefke beim ersten Alleinflug


Ermahnend Piefkes Lehrer spricht:
"Mein Freund, reiß Dich zusammen!
Denn heute morgen holt man Dich
zum "Zwischenschein"-Examen

Es wird Dir hier - laut Prüfungsnorm -
der Flugauftrag gegeben,
in abgesteckter Rechtecksform
das Rollfeld zu umschweben.

Du hast - bevor Du Dir dabei -
die Gegend kannst betrachten,
auf eine lange Litanei
von Vorschriften zu achten:

Erst prüfst Du zunächst ganz genau
die Flugzeug-Einzelteile,
wie Tragwerk, Leitwerk, Rumpfaufbau,
Motor und Steuerseile.

Den Knüppel fest, die Haube dicht,
den Fallschirm nicht vergessen
und außerdem versäume nicht,
Benzin und Öl zu messen!

gezeichnet von Hans Medicus, Bobingen
Die Zündung rein, den Brandhahn auf,
die Latte mehrmals drehen,
so müßte dann der Probelauf
an sich vonstatten gehen.

Um Ruderdruck und Lastigkeit
entsprechend abzustimmen,
empfiehlt es sich - von Zeit zu Zeit -
die Kiste nachzutrimmen.

Am Schluß des Fluges mußt Du nur
Dein Köpfchen konzentrieren,
um auf der vorgesteckten Spur
die Landung auszuführen !"

Verwirrt von all dem Vorschriftskram
steigt Piefke in den Drachen,
schiebt Vollgas rein und startet dann
mit hundertzwanzig Sachen.

gezeichnet von Hans Medicus, Bobingen
Sein erster Rundflug taugt nicht viel,
noch weniger der zweite,
denn immer, wenn er landen will,
verrutscht er nach der Seite !

Ein leichter Wind von linker Hand
scheint ihn nach rechts zu schieben,
und bis er die Gefahr erkannt -
ist er schon abgetrieben.

Zum dritten Male schwebt er jetzt
in Richtung Landepiste,
doch wird er wieder stark versetzt
mit seiner lahmen Kiste.

Anstatt mit Gas nun noch einmal
den Drachen hoch zu bringen,
versucht er jetzt - auf jeden Fall -
die Landung zu erzwingen!

So schiebt er -seitlich stark verdreht -
dicht über das Gelände,
und jeder fühlt: das Ganze geht
mit Fahrwerkbruch zu Ende.

Schon ist im nächsten Augenblick
der Aufschlag zu erwarten -
da - Gott sei Dank - entschließt er sich,
dann doch noch durchzustarten !

Beim vierten Flug kann Piefke zwar
die Abtrift überwinden,
doch scheint er diesmal offenbar
den Boden nicht zu finden:

Da er beim Anflug "nachgeheizt",
kommt er zu schnell geflogen
und hat dann viel zu früh bereits
den Knüppel durchgezogen.

Als Reaktion schießt er sogleich
zurück in alte Höhen
und bleibt dann schließlich pflaumenweich
hoch überm Flugplatz stehen!

Wie ein "Klavier vom fünften Stock"
fällt er jetzt auf die Reifen
und hüpft dann wie ein Ziegenbock
in den neutralen Streifen.

Dortselbst hat er beim Bremsversuch
zu rohe Kraft verwendet,
wodurch sein erster Soloflug
schon fast mit Kopfstand endet!

Enttäuscht vom eignen Landungsstil
dreht er sich auf dem Sporne,
gibt Gas - und fliegt dasselbe Spiel
jetzt noch einmal von vorne.

Er schwört sich, diesmal taktisch-klug
das Rechteck auszufliegen,
um endlich seinem Prüfungsflug
laut Vorschrift zu genügen.

Zwar klappt der Start - doch leider ist
die Landung nicht gediehen,
weil er versäumt, zur rechten Frist
den "Vorwärmer" zu ziehen:

Dadurch fängt bald sein Motor an,
sich langsamer zu drehen,
und dann - kurz vor der Landebahn -
bleibt seine Latte stehen!

Erschreckt von diesem Mißgeschick
er hilflos erdwärts gleitet,
wo Ringelpiez mit Fahrwerk-Knick
die "Prüfung" dann entscheidet.

Der "Chef", dem schon bei Startbeginn
die Spucke weggeblieben,
hat Piefkes Flugzeug ohnehin
schon lange "abgeschrieben"!

Der Lehrer aber, der entsetzt
von seinem Pult gesunken,
hat mit der roten Flagge jetzt
den Flugdienst abgewunken.

gezeichnet von Hans Medicus, Bobingen


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