Motorflieger Piefke beim Blindflugkurs


Herr Piefke, dessen Laufbahn jetzt
schon in der "Abschlußrunde"
wird heute erstmals angesetzt
zu einer Blindflugstunde.

Der Lehrer, ein betagter Mann
- ergraut am Flugzeugsteuer -
begrüßt ihn und erzählt ihm dann
die alte "Blindflug-Leier":

"Sie flogen bisher nach Gefühl
und Horizont, doch leider
kommt man mit diesem plumpen Stil
bei meinem Kurs nicht weiter!

Denn was Natur an Sinneskraft
zum Fliegen mitgegeben
erweist sich stets als mangelhaft
wenn wir nach Blindflug streben.

Hier hilft uns nur das Instrument,
das in sensibler Weise
den Flugzustand genau erkennt
bei unsrer Wolkenreise.

So kann uns heut die tiefste Nacht
beim Flug nicht irritieren
seitdem man ein System erdacht
um Blindflug auszuführen.

Durch intensivsten Unterricht
belehrt man Geist und Hände
wie man auch o h n e Erdsicht fliegt
an Hand der Instrumente.

Der Apparat, um den sich hier
der Blindflugkurs geschart
führt uns im Geist durchs Luftrevier
auf täuschend echte Art.

Wenn draußen Sturm und schlechte Sicht
den freien Flug blockieren
kann man getrost den Unterricht
im Saale weiterführen.

Man nützt der Technik letzten Schwung
und fliegt in diesem Falle
- geschützt vor jeder Witterung -
zu Hause, in der Halle!

L i n k - T r a i n e r wird das Ding genannt
mit dem wir Blindflug lehren
um später jede Nebelwand
kalt lächelnd zu durchqueren."

gezeichnet von Hans Medicus, Bobingen

Er schließt das Dach - und Piefke hängt
allein in der Kabine
wo er sofort genau so lenkt
wie in der Flugmaschine.

Denn durch die Pseudo-Steuerung
und durch die Instrumente
fühlt er sich in der Einbildung
versetzt aufs Fluggelände.

Am Höhenmesser merkt er schon,
daß er den Platz verlassen
und muß jetzt seine Position
auch ohne Sicht erfassen.

Der Sprechfunk gibt den Flugkurs an,
den er hier einzuhalten
und er muß seine Abflugbahn
streng nach Befehl gestalten.

Auch Kugel, Pinsel, Kompaßzahl
soll er genau betrachten
und außerdem in jedem Fall
auf Fahrt und Höhe achten.

Egal, nach welcher Richtung auch
sich Piefkes Augen drehen
er kann in seinem Flugzeugbauch
nur Instrumente sehen.

Ein blind-gelenkter Vollkreis soll
den Abflug jetzt beenden
doch Piefke hat die Schnauze voll
und will sich "heimwärts" wenden!

Denn Fahrt und Höhe stimmt nicht mehr
- zu seinem größten Leide -
und auch die "Kugel" drängt sich sehr
nach der verkehrten Seite.

Sein "Pinsel" steht nicht "Eck auf Eck"
wie es die Vorschrift lehrte
und plötzlich springt er seitlich weg
auf völlig falscher Fährte.

Es heult das Horn, es blinkt das Licht
es warnt das Morsezeichen -
trotz alledem kann Piefke nicht
den Abflugplatz erreichen.

So schwimmt er hoffnungslos abseits
von der gewünschten Richtung
und steht "laut Meßtisch" nun bereits
kurz vor der Selbstvernichtung !

Jetzt öffnet seine Haube sich
und mit enttäuschter Miene
hält Piefkes Lehrer Flugkritik
vor seiner Link-Maschine:

"Mein Herr ! - Sie haben sich verirrt
bei Ihrer Blindflug-Führung
und sind schon mehrmals abgeschmiert
nach meiner Registrierung.

Sie sind vielleicht schon schlau genug
bei Sonnenschein zu fliegen
jedoch zum lnstrumentenflug
kann so was nicht genügen.

Ein Flieger, der bei Sicht allein
imstande ist zu landen
zählt für den Mann mit Blindflugschein
noch zu den Dilettanten !"


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