Zur Krönung seiner Schulungszeit
Steht Piefke heute startbereit
am Segelhang, im Morgenwind,
und wartet, bis sein Flug beginnt.
F ü n f St u n d e n muß er heute fliegen,
um seinem Vorsatz zu genügen!
Denn Piefkes Ehrgeiz hat sich jetzt
die "Silber-C" zum Ziel gesetzt.
Nach einem sehr rasanten Start
gelingt es ihm - auf freche Art -
die Wendemarken zu umschweifen
mit skrupellosen Achterschleifen.
Nachdem er so - höchst elegant -
den Anschluß an den Aufwind fand,
kommt er in jenes Hanggebiet,
wo man die schönste Gegend sieht!
Und hier beginnt für ihn
die Zeit erhabener Beschaulichkeit:
Der Berge Reiz, der Blick ins Weite
vermitteln echte Fliegerfreude.
Welch ein beglückendes Erleben,
so dicht am Hang dahinzuschweben!
Er fühlt - um dieses Aufwärtsgleiten
muß ihn der "Klettersmann" beneiden,
der an der gleichen Steilwand hängt
und mühsam sich nach oben zwängt.
Sooft ihn Piefke überrundet,
er ihm sein Mitgefühl bekundet,
indem er höhnisch lächelnd winkt -
was jenen zur Verzweiflung bringt!
Durch diese Art von Pöbeleien
Sucht er sich anfangs zu zerstreuen,
doch als es ihn dann höher treibt,
solch Unfug langsam unterbleibt.
Bald sieht er keinen Menschen mehr,
und stille wird es rings umher:
Nach stundenlanger Segelzeit
befällt ihn größte Einsamkeit,
langweilig wird's im Aufwindreiche
- die Gegend bleibt auch stets die gleiche -
und mit Enttäuschung stellt er fest,
daß sich die U h r nicht treiben läßt!
Die zw e i t e Halbzeit der fünf Stunden
wird nur durch St u r h e i t überwunden.
Um jetzt die Zeit herumzubringen,
fängt Piefke plötzlich an zu singen,
Studenten- und Soldatenlieder
bringt er in bunter Folge wieder:
Den "Wildbretschütz", die "Wacht am Rhein",
das Wolgalied - und "Hänschen klein"!
Wenn auch der "Ton" nicht einwandfrei,
so geht ihm doch die Zeit vorbei,
bis daß, von Heiserkeit geplagt,
der Kehlkopf seinen Dienst versagt.
Dafür merkt Piefke, wie am Rücken
ihn plötzlich starke Schmerzen drücken,
sein Sitzfleisch - sonst so angenehm -
wird langsam äußerst unbequem,
sein Rückgrat muß beständig wandern
von einer Backe zu der andern.

Auch "Wasserdruck" kommt jetzt herbei
und bringt ihn fast zur Raserei.
Doch kann es für sein "Innenleben"
im Flugzeug keinen Ausweg geben,
denn für die Stillung so l c h e r Wehen
ist konstruktiv nichts vorgesehen!
Auch der Gedärme stärkstes Treiben
muß leider unbefriedigt bleiben.
Was Piefke v o r dem Start vergaß,
bedrückt ihn j e t z t im Übermaß.
Zu Piefkes innerm HeIdenkampf
gesellt sich noch ein Wadenkrampf,
der jetzt sein linkes Bein durchfährt
und so das Steuern sehr erschwert.
Er muß die letzte Kraft entfalten,
um noch die Richtung einzuhalten.
Auch andre Unannehmlichkeiten
ihm seinen Dauerflug verleiden:
Auf seiner Haut - erst unerkannt-
zeigt sich jetzt starker Sonnenbrand,
die Mittagshitze - kaum erträglich -
macht Piefkes Stimmung äußerst kläglich,
und Kopfweh hemmt seit langemn schon
Spannkraft und Konzentration!
Um neuen Kampfgeist zu entfachen,
will er jetzt Frühstückspause machen.
Zwei Schinkenbrote, dick belegt,
zu diesem Zweck er bei sich trägt
und mit beglückter Handbewegung
greift er nach seiner Startverpflegung.
In dem Moment wirft eine Böe
das Flugzeug plötzlich in die Höhe,
worauf der Piefke - voller Hast -
nach seinem Steuerknüppel faßt.
Sein Frühstück, schmackhaft zubereitet,
ihm dabei aus der Hand entgleitet,
es rutscht im Flugzeugbauch nach unten
und bleibt - tief unterm Sitz - verschwunden.
So kann es Piefke nicht gelingen,
dasselbe wieder hochzubringen.
Nur mit geballter Willenskraft
er noch die f ü n f t e Stunde schafft,
denn innerlich hat er genug
von diesem sturen "Dauerflug",
der ihn zwar körperlich ermüdet,
doch fliegerisch nichts Neues bietet:
Sein "Flugstil" wenig profitiert,
wenn er nur stets den Hang poliert.
So läßt er bloß die Zeit verstreichen
und wartet auf sein Landezeichen. -
Ein "gelber Kreis" beim Landefeld
ruft ihn zurück zur Bodenwelt -
ein Aufschrei unterdrückter Lust
entringt sich hierbei seiner Brust-
im Sturzflug stößt er auf die Erde,
damit sein Flug beendet werde.
Inmitten stärkster Bodenböen
muß er zur Landung niedergehen,
doch solche kleine "Bockigkeiten"
ihm keinen Kummer mehr bereiten:
Ein müdes Lächeln seinerseits -
dann sitzt er auf dem Landekreuz!
Trotz allem ist er jetzt begeistert,
daß der 5-Stunden-Flug gemeistert,
doch grimmig er sich selbst verspricht:
"Ein z w e i t es Mal mach ich das n i c h t !"
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