Der Flugdienst in den Nachkriegsjahren
war erst ein mühevoll Gebaren
mit Autoschlepp am Wegesrand
quer über feindlich Bauernland.
Mit einem alten LKW
zerrt man den "Zögling" in die Höh'
und hängt im Troposphären-Raume
wie eine überreife Pflaume.
Ein jeder sagt: Das ist verkehrt,
der Autoschlepp hat wenig Wert.
Der Vorstand schreit: Ich mag nicht mehr,
jetzt kommt mir eine "Winde" her!
Doch mutlos stöhnt der Club-Kassier:
"Wir haben niemals Geld dafür!"
Damit die Tradition man pflege,
baut man sie auf dem "Armenwege",
nur Schrott, von milder Hand gespendet,
wird für den Windenbau verwendet:
Aus einem alten Unfall-Wagen
wird der Motor herangetragen,
ein Schnell-Getriebe, leicht lädiert,
wird im Vorbeiweg mit-kassiert,
'ne Felge gratis eingehandelt,
wird gleich zur Seiltrommel verwandelt.
Auch eine alte Kardanwelle
ist überraschend schnell zur Stelle,
und Bolzen, Schrauben, Dichtungsmasse
organisiert man - ohne Kasse.

Der Bau beginnt - und bald darauf
steigt schon der erste Probelauf.
Ganz heimlich noch, im Morgennebel,
montiert man Kapp- und Kupplungshebel.
Zuschauer hält man gänzlich ferne,
- man sieht sie anfangs noch nicht gerne
nur Schrotthändler und Windenbauer
sind uns're ersten Schlepp-Beschauer.
Auf "Spulvorrichtung" wird verzichtet,
weil solches mit der Hand verrichtet.
Rein technisch fällt uns dies nicht schwer,
man nimmt hiezu 'nen Zaunpfahl her.

Schon sitzt der Chef im ,,Zögling" drin
und hebt die Hand zum Startbeginn,
worauf die Winde - wutentbrannt -
das unbezahlte Schleppseil spannt,
und dicker Qualm aus Rauch und Ruß
zeigt deutlich, was sie leisten muß.
Sie schleppt auf fast 200 Meter,
und voll Befriedigung ist jeder,
da sich der deutsche Forschergeist
bereits beim ersten Start erweist.
Doch kurz bevor man "abgewunken",
da fliegen unten schon die Funken,
die Trommelwände sind gespalten,
weil sie dem Druck nicht standgehalten.
Die Autofelge war zu schwach,
sie explodiert mit lautem Krach
und kommt sodann in hohem Bogen
auf ihren Spender zugeflogen,
der nahe bei der Winde steht
und dadurch fast in Trümmer geht!
Dies war der erste schwere Hieb
für unser'n Windenbau-Betrieb.
Doch solche kleine Anfangspleite
betrübt nicht echte Forscherfreude,
denn einwandfrei hat man bemerkt:
Es geht, wenn man das Zeug verstärkt.
Und eins war klar - die Tourenzahl
reicht für den Schlepp auf jeden Fall!
Und wirklich, nach der Reparatur
gibt's sehr gepflegte Hochstarts nur.
Jetzt prüft man, ob das Schleppgerät
nicht auch für "Doppelsitzer" geht,
und fährt hiezu am Wochenende
aufs Doppelsitzer-Fluggelände.
Höchst skeptisch schaut der Nachbar drein
und frägt: Das soll 'ne W i n d e sein;
Ein altes Diesel-Aggregat
mit Handspulung und Gitterdraht?
Man nennt dies hierorts überall
"Motorisierter Hasenstall".
"Nur langsam!" - Unser Vorstand spricht -
"Das Aussehen interessiert uns nicht,
doch was die Winde leisten kann,
das kommt gleich auf - wir fangen an!"
Damit ja alles funktioniert,
er selbst als Spuler assistiert.
Der erste Schlepp war noch o.k.,
doch dann kommt die Tragödie.
Denn schon beim zweiten Schleppstart plötzlich,
da funkt die Trommel ganz entsetzlich,
den Spuler haut es hin und her,
er hat bald keinen Standpunkt mehr
und saust herab von seinem Platze
wie eine aufgescheuchte Katze.
Die Lager kommen nachgeflogen,
und auch die Achse ist verbogen,
sie muß dem Druck der Unwucht weichen
und krümmt sich wie ein Fragezeichen.
Dies war der zweite schwere Hieb
für unser'n Windenbaubetrieb.

Wir sind blamiert, weil's nicht geklappt,
der Nachbar-Club ist eingeschnappt
und sagt zu unser'm Schleppgerät.
"Ganz klar, daß so ein Bock nicht geht!"
So ernten wir von allen Seiten
nur Undank und Gehässigkeiten.
Auch noch bei manchem später'n Start
gibt's Pannen ungeahnter Art.
Jedoch, trotz aller Pannen-Trauer
bleibt uns e i n Trost als Windenbauer:
Will das Finanzamt uns're Kassen
bisweilen steuerlich erfassen
und die geheimen Listen sehen,
wo Passagierflug-Gelder stehen,
dann täuschen wir es mit Geschick
durch folgenden bewährten Trick:
Wir zeigen uns're Selbstbauwinden,
die laut von echter Armut künden,
und das Finanzamt-Ungeheuer
schenkt uns Kultur- und Umsatzsteuer.
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