Nach jedem Seilschlepp fährt zum Start
ein "Auto" abnormaler Art.
Wozu das Dings geschaffen war,
bleibt Laien gänzlich unfaßbar:
Kotflügel, Schaltung, Gas und Licht
gibt es bei diesem Fahrzeug nicht!
Mit vorsintflutlicher Figur
schiebt es sich langsam durch die Flur,
das Ganze restlos abgetragen -
Überschrift: Der Rückholwagen!
Nach Flugdienstschluß erwartet alle
der "Cerberus" der Flugzeughalle,
ein Mann, der peinlichst darauf schaut,
daß man die Kisten gut verstaut.
Mit weithin schallendem Organ
führt er den Flugzeugeinmarsch an
und registriert mit lautem Fluch
Rollschaden, Plattfuß, Kufenbruch.
Schon bei der kleinsten "Störung" schreit er
Überschrift: der Werkstattleiter!
Die Schule ringt zur Aufbauzeit
mit mancher großen Schwierigkeit,
die hemmend ihr im Wege steht
beim Kampf um Platz und Fluggerät.
Man überwindet sie zumeist
durch dickes Fell und Fliegergeist!
Dann drängt mit Schwung aus Stadt und Land
der Nachwuchs an die Segelwand
und wartet, bis der Start beginnt.
Überschrift: Der Hangaufwind!
Beim alten Stamm der Fliegerei
sind seltene Typen oft dabei,
die in den Clubs und Flugbezirken
höchst produktiv am Aufbau wirken.
Nach Leistung, Mundwerk, Ruf und Stand
wird jeder hier mit eingespannt:
Wer "Klappe" hat bis zu den Ohren
wird zum Vereinsvorstand erkoren,
wer eine gute "Klaue" führt,
Kassierer oder Schriftwart wird,
wer angeblich schon "alles" kennt,
wird Prüfer oder Referent!
Doch noch e i n Typ sei hier genannt
der wohl bei jedem Club bekannt:
Der "Idealist" - der Werkstattleiter
und brave Kaltleim-Zubereiter.
In reinen Bau- und Werkstattsachen
ist unserm "Hein" nichts vorzumachen
doch was er fliegerisch gebar,
bisher nur äußerst mäßig war.
Seit Jahren konnt' er nichts erreichen,
als ein bescheid'nes A-Abzeichen!
Beim Flugdienst in vergangenen Tagen
hat folgendes sich zugetragen:
Der "Lange Hein" dreht mächtig auf
"Kein Mensch kommt mehr zur Werkstatt 'rauf,
andauernd läßt man mich allein
daß wollen Segelflieger sein?
Gebt es nur zu: das ganze Jahr
Wär unser Flugzeugpark nicht klar
wenn l c h nicht in die Werkstatt gehe
und dort nach Euren Brüchen sehe.
Ich warne Euch! So geht's nicht mehr!
Der Nachwuchs muß zur Werkstatt her!
Den Fliegergeist muß man beweisen
durch Sperrholzschäften und durch Spleißen!
Das F Ii e g e n lernen a II e später,
jedoch den Längs-Spleiß kann nicht jeder.
Und überhaupt, am Sonntag früh
da fliegen fast nur immer die,
die n i e zur Arbeit sind gekommen
und sich auch sonst vorbei-benommen.
Kein Mensch ist da beim Aufmontieren
mit 4 Mann muß man abmarschieren,
doch steht der Laden fertig da,
dann kommen sie aus fern und nah,
dann plötzlich, sind es 15 Mann;
so ein Betrieb, der kotzt mich an!"
So wettert er noch endlos weiter
der "Lange Hein", der Werkstattleiter.
"Stimmt !" - sagt der Lehrer, "Stimmt genau",
nur D u erhältst den Flugzeugbau.
Drum wollen wir uns revanchieren
und Dir den ersten Start servieren.
Hör' auf zu schimpfen, - setz Dich rein,
heut soll dein erster Hoch start sein!"
Das läßt sich Hein nicht zweimal sagen,
steigt ein mit seinen langen Schragen
und schnallt das Gurtwerk um die Nieren,
bereit, den Auftrag auszuführen.
Voll Spannung nunmehr alles wartet,
da Hein zum ersten Hochstart startet.
Und während manche Böses ahnen,
beginnt das Schleppseil sich zu spannen,
Hein rutscht erst noch ein kurzes Stück
mit konzentriertem Vorwärtsblick,
dann schwebt der Werkstattleiter endlich -
- ein bißchen unruhig - selbstverständlich !
Nach stark betonter "Wipperei"
gibt Hein das Schleppseil später frei
und will nach links die "Kehre" fliegen,
doch kann er n i c h t die Kurve kriegen,
denn unser Hein, das arme Luder,
gibt viel zuwenig Seitenruder,
weil er nicht das Geheimnis kennt
vom negativen "Drehmoment"!
Des Werkstattleiters linke Wendung
kommt deshalb niemals zur Vollendung.
Er fliegt nur, wie sich klar erweist -
das, was man eine "Biege" heißt.
Für Wendekurven, da sind ständig
180 Grad notwendig,
jedoch schon nach dem 12. Grade
bricht Hein die Wendung ab - wie schade ! -
Und steuert dann in aller Ruh
auf seitIiche Gefilde zu.
Er setzt zum Überlandflug an,
weil er nicht Kurven fliegen kann!
Jedoch, durch seine Körperhaltung,
kommt er auch hier nicht zur Entfaltung:
Sein Oberkörper - ungewollt -
ist stark nach vorne abgerollt,
sein Kopf ragt weit in ferne Lande
hoch über Flügelvorderkante,
die Haxen krumm auf dem Pedal
fast doppelt länger als normal!
Nach 45 Flugsekunden
sitzt unser Hein schon wieder unten
und bumst - als kann's nicht anders sein -
grad' in die Frühkartoffeln rein.
Er schaut ein wenig resigniert,
doch sonst ist weiter nichts passiert.
Als dann die Kameraden kommen,
wird "Werkstattleiter" hochgenommen:
Der erste schreit: Was war denn das?
Hast Du kein besseres Augenmaß?
Das Landefeld liegt weit da drüben,
wir können jetzt nach Hause schieben!
Der zweite sagt zum armen Hein:
Ein Kasten Bier wird fällig sein!
So fallen Reden hin und her,
und Heinis Ehrgeiz leidet schwer.
Doch als der Lehrer kommt hinzu,
sagt dieser: Laßt den Hein in Ruh!
Wer weiß, was I h r zusammenfliegt
wenn Ihr den ersten Hochstart kriegt!
Der Werkstattleiter schafft am meisten,
d e r kann sich so was schon mal leisten!
So schützt der Lehrer mit Geschick
den Hein vor unsrer Flug-Kritik.
Wir grinsen höchst verständnisvoll
und rasch entschwindet unser Groll,
Denn nunmehr ward es allen klar -
was immer Tradition schon war:
Wer fliegerisch kommt nicht mehr weiter
der wird gewöhnlich Werkstattleiter!
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