Die Sorgen unserer Sonntagsflieger


Die schnelle "Sonntagsfliegerei"
verläuft nur selten störungsfrei.
Nicht nur rein menschliche Gebrechen
den reibungslosen Ablauf schwächen,
auch technisch gibt es Fehlerquellen,
die manchen Flug in Frage stellen.
Was alles so passieren kann, zeigt folgende Geschichte an:

"Abmarsch zum Flugdienst um halb sieben!"
Steht groß am Schwarzen Brett geschrieben.
Doch Pünktlichkeit beim Flugverband
schwankte nach Rang und Prüfungsstand:
Der N a c h w u c h s steht in jedem Falle
als erster vor der Flugzeughalle
weil er - in wildem Fliegerdrang -
vorzeitig aus der Klappe sprang.
Für Schein-Inhaber und Experten
wird es gewöhnlich später werden,
der Lehrer und der Club-Chauffeur
kommt etwa gegen acht Uhr her,
der Chef vom ganzen Flugverein
trifft allgemein als letzter ein!

Doch dann beginnt für uns die Zeit
urplötzlicher Betriebsamkeit.
Als erstes merkt der "Hohe Rat",
daß niemand einen Schlüssel hat!
Da jetzt die Zeit zur Eile drängt,
wird rücksichtslos das Tor gesprengt.
Als nächstes Hemmnis wird erspäht
ein Plattfuß am Transportgerät,
und außerdem schreit der Chauffeur,
daß sein Benzintank völlig leer.
Um zu beheben diese Panne,
schnappt er sich die Reservekanne
und läuft zum Tankwart um die Ecke,
damit er uns Benzin vorstrecke.

Jedoch der Tankwart meutert schwer
und "pumpt" uns keinen Brennstoff mehr,
weil viele andre Rechnungsarten
vom Flieger-club auf Zahlung warten !
Um diesen Schandfleck zu beheben,
muß jeder einen Vorschuß geben,
den der Kassier dann ungeniert
als Beitrags-Rückstand abquittiert!

Nach viel Geschrei und Flickarbeit
sind wir dann endlich fahrbereit,
worauf sich der Geleitzug jetzt
geräuschvoll in Bewegung setzt.
Ein Streifendienst der Polizei
bringt uns die nächste Schererei:
Die "Aufmachung", in der wir kommen,
hat seine Sprache weggenommen,
und unser tolles Schleppgespann
regt seinen Inspektionstrieb an.
Daß unser Fahrzeug überladen,
hat er beim ersten Blick erraten,
auch Kupplung, Bremse, Rückenlicht
entsprechen den Gesetzen nicht,
ganz abgesehen von "Papieren",
die wir fast niemals bei uns führen.
Als Resultat erhalten wir
ein Strafmandat mit Mahngebühr!



Als man nach diesem Zwischenspiel
zum Fluggelände fahren will,
steht dort ein B a u e r - wutverzerrt-
der uns den Weg zum Startplatz sperrt.
Als wir ihn zu verdrängen suchen,
beginnt derselbe laut zu fluchen:
"Mit Eurem blöden Drachensport
tragt ihr den ganzen Humus fort!
Es wächst kein Gras, es gibt kein Heu,
und schuld ist nur die Fliegerei.
Der Schaden, der durch Euch entsteht,
weit über mein Vermögen geht.
Solange wir kein "Pachtgeld" kriegen,
dürft ihr hier nicht mehr weiterfliegen!"



Der Bauer, sonst schon schwer verträglich,
bleibt heute völlig unbeweglich.
Erst als wir schriftlich unterzeichnen,
den "Ernteausfall" auszugleichen,
gibt er - nach harter Streiterei -
sein Wiesengrundstück wieder frei.
So sind wir - lang nach Mittagszeit -
endlich zum Startaufbau bereit!
Mit wenig Geist, doch möglichst laut
wird jetzt das Flugzeug aufgebaut,
ganz wahllos und in größter Eile
montiert man alle Einzelteile,
um Bolzen, Schrauben, Sicherungen
wird unerbittlich hart gerungen,
zum Abschluß schreit die Werkstattleitung
vergeblich nach der "Schlitzverkleidung"
- dies wichtige Ergänzungsstück
ließ man vermutlich ganz zurück -
und eine zw e i t e Werkstattfahrt
bleibt dadurch leider nicht erspart.

Noch andre böse Schwierigkeiten
den Unglückstag zu Ende leiten:
Als unsre Kiste flugklar steht,
hat plötzlich sich der Wind gedreht!
Nachdem wir langsam umgebaut,
ist jede Thermik abgeflaut,
statt dessen kann man klar verfolgen
die Bildung schwerster Wetterwolken,
wobei die ersten Regentropfen
schon warnend auf die Flächen klopfen.
Auch kriegt die Winde mit dem Start
heut keinerlei Verbindungsart,
denn unser altes Telefon
krepiert beim ersten Anruf schon.



Als man trotzdem zum "Testflug" winkt,
das Schleppseil von der Trommel springt,
und ein gemischter "Seilsalat"
blockiert das Spulungs-Aggregat.
Nun flickt man eine ganze Weile
am ausrangierten Windenseile!
Die letzten zwei Reserveklemmen
muß man hierbei zu Hilfe nehmen.
Bevor man nochmal starten kann,
kommt die Gewitterfront heran,
und Sturmwind, Blitz und Hagelschlag
beenden unsern "Schulungstag"!
So räumt man jetzt das Fluggelände
und hofft aufs n ä c h s t e Wochenende.


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