Den Forschungsdrang der Aufbauzeit
erschwerten viele Härten,
die anfangs mit Beharrlichkeit
den Weg zum Ziel versperrten.
Zwar steigerte der Pionier
alljährlich seine Kenntnis,
doch "amtlich" hatte man hierfür
kein Geld und kein Verständnis!
So zog man damals auf die Rhön
- erfüllt von Idealen,
doch stets bedrückt von dem Problem,
das Ganze zu bezahlen.
Die "Kisten" waren selbst gemacht
nach eigenen Ideen,
und öfters sah man über Nacht
den tollsten "Typ" entstehen.
Ein grober Brettholm lag verstaut
im Göttinger Profile,
der ganze Vogel war gebaut
nach primitivstem Stile.
Und ging die Arbeit nicht vom Fleck,
war nur kein Geld vorhanden,
wodurch die Flieger oft den Weg
zu neuem "Werkstoff" fanden.
Mit selbstgeklautem Bambusrohr
und ausrangierten Besen
ging man im Notfall schließlich vor,
um das Problem zu lösen.
Nur spröder Stahldraht war gespannt,
den Flügel hochzuhalten,
und zugleich auch den Rumpfverband
verdrehsteif zu gestalten.
Mit "Spierenklopfen" fing es an
nach freier Bauanleitung,
als nächstes kam der Spannturm dran
und dann die Sitzverkleidung.
Doch wenn das Sperrholz fällig war
für Boot und Flügelnase,
war alles zur Beplankung klar
- bis auf die leere Kasse!
Doch bald bezwang man in der Not
auch diese Bau-Etappe,
und nahm für Nasenhaut und Boot
nicht Sperrholz - sondern Pappe!
Erzeugte diese Werkstoffart
auch manchmal große Falten
- das Geld, daß dadurch hier gespart,
blieb für den Stoff erhalten.
Selbst beim Bespannstoff forschte man
nach billigsten Geweben,
und pflegte sie mit Kleister dann
behutsam aufzukleben.
Beim Imprägnieren ging man auch
höchst wirtschaftlich zu Werke;
denn war der Spannlack aufgebraucht,
dann nahm man "Hoffmanns Stärke"!
Zwar dichtete dies wunderbar,
doch konnte leicht passieren,
daß es nach regen nötig war,
erneut zu imprägnieren.
Um "Luftgesetz" und "Schulungsnorm"
entstanden kaum Debatten -
in völlig liberaler Form
ging jeder Flug vonstatten:
Man schnellte nur wie ein Geschoß
- vom Gummiseil gezogen -
zum Jungfernstart am Steilhang los
und war bald "eingeflogen".
Blieb das Gerät bis abends heil,
war dies ein Grund zum Feiern,
sonst galt es, das zerstörte Teil
baldmöglichst zu erneuern.
Hier war es strenge Tradition
in nächtelangen Schichten,
die Flickarbeit vor Sonntag schon
fachkundig zu verrichten.
Die Bauern, die den Bruchverlauf
hohnlachend miterlebten,
erstaunten sehr, wenn bald darauf
die Kisten wieder "schwebten".
war der Defekt nur "mittelschwer"
- mit Bruch von Holm und Spieren -
dann war es Sitte das Malheur
sofort zu reparieren:
Mit Leukoplast und Bindedraht,
mit Nägeln jeder Stärke,
mit Klebelack und mit Spagat
ging man geschickt zu Werke.
Rasch leimte man den Schaden dann
in kluger Arbeitsteilung
- die Bruchlast überprüfte man
nur mittels "Daumenpeilung".
Nach zehn Minuten Flickerei,
durch technische Experten,
erscholl erneut der Jubelschrei:
" Es kann geflogen werden!"
So pflegte man zur Aufbauzeit
dem "Rhöngeist zu genügen,
und war beständig startbereit
zu neuen Forschungsflügen.
Man wußte nichts von S.B.O.
und Thermik-Polizei,
doch ein erhöhtes Risiko
war trotzdem kaum dabei!
Blieb auch die Leistung anfangs meist
noch dürftig und bescheiden,
schuf doch der Kameradschaftsgeist
die schönsten Fliegerfreuden.
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