Die Segelflieger-Generalversammlung




Zum Jahresabschluß ist es Brauch,
Geleistetes zu feiern
und durch geheimen Wahlgang auch
die "Führung" zu erneuern.

Nicht immer geht dies störungsfrei
-- wie uns die Chronik schildert --,
da im Tumult der Wählerei,
der "Rhöngeist" oft verwildert:

Erst wird der Kassenstand gezählt
nach alter Fliegesitte
und dann der V o r s t a n d neu gewählt
aus des Vereines Mitte.

Doch heute fällt es äußerst schwer,
denselben "einzufangen",
denn jeder sagt: "Ich danke sehr;
ich habe k e i n Verlangen!"

So dauert es die halbe Nacht,
bis man erschöpft verkündet,
daß es der a l t e wieder macht,
weil sich kein andrer findet.

Doch kurz nach seiner Wiederwahl
ertönt des Vorstands Klage:
"Die Schwierigkeit in u n s e r m Fall
entspringt der Kassenlage!

Drum bringe ich den Vorschlag ein,
den B e i t r a g z u e r h ö h e n,
denn ohne Geld wird der Verein
bald in die Binsen gehen!"

Des Vorstands Diktakur-Geschrei
erbittert die Gemüter,
drum schreit die "Widerstandspartei"
den Antrag schleunigst nieder:

"Beitrags-Erhöhung? -- Dies allein
kann den Ruin nicht wenden:
doch willst Du unser Vorstand sein,
dann bring uns erst mal S p e n d e n !

Gereizt durch den Vertrauensbruch
beginnt der Chef zu schreien:
"Ihr sabotiert den Segelflug
durch Eure Stänkereien!

Ein e c h t e r Flieger opfert v i e l,
um seinen Sport zu treiben,
und wer von Euch nicht z a h l e n will,
der soll zu Hause bleiben!"

Doch der K a s s i e r ruft voller Wut:
"Hör' auf zu renommieren!
In D e i n e r Lage spricht sich's gut,
D u musst ja nicht kassieren!

Die Wirkung auf den "kleinen Mann"
scheint D i c h wohl nicht zu stören,
doch I c h muß beim Kassieren dann
die Schimpfereien hören!"

"Der ganze Streit wird mir zu dumm!"
-- Meint jetzt der F l u g d i e n s t l e i t e r --
"Kommt ihr nicht bald zur Einigung,
dann flieg ich nicht mehr weiter!"

Worauf der Herr R e v i s o r schreit:
"Was kannst D u schon verlieren?
D u zahlst ja keine Thermik-Zeit
u n d keine Startgebühren!

D u kommst bloß auf dem Flugplatz an
zum Feiertagsvergnügen
und läßt Dich von den Schülern dann
umsonst spazierenfliegen!"

Der Lehrer g e h t --und dieser Fall
kommt derart unerwartet,
daß jetzt der Streit im Wahllokal
zur M e u t e r e i entartet:

der V o r s t a n d selbst, der aus Protest
den Lehrer heimbegleitet,
verfaßt ein scharfes Manifest,
daß er "für immer" scheidet.

Bald tritt auch der K a s s i e r zurück,
weil man ihn schwer beleidigt,
und dadurch ist im Augenblick
der Kopf des Clubs beseitigt.

Der S c h r i f t w a r t , den die ganze Wahl
von Anfang an ververdrossen,
hat nunmehr auch mit lautem Knall
sein "Protokoll" geschlossen!

Der W e r k s t a t t l e i t e r , der bis jetzt
sich streng neutral verhalten,
will sich als "Schiedsrichter" zuletzt
in die Debatte schalten.

Doch sein entgleister Schlichtversuch
verschärft die Zwistigkeiten,
und des Vereins Zusammenbruch
ist kaum noch zu vermeiden.

So ist der halbe Club verkracht
auf Grund der Beitragsfrage
und schwebt jetzt -- lange nach Mitternacht --
in aussichtsloser Lage.

Jedoch am S o n n t a g trifft man sich
wie sonst im Fluggelände,
und friedlich -- ohne Federstrich --
geht hier die Wahl zu Ende:

Hier wird die Widerstands-Partei
im F l u g z e u g hochgezogen
-- und schon nach kurzer Kurbelei
ist unser Streit verflogen!

Nun wird -- da jeder Widerstand
im Aufwindschlauch erloschen --
der Beitrag für den Flugverband
erhöht um e i n e n Groschen.

Erfüllt von neuer Thermik-Gier
macht alles wieder weiter:
Fluglehrer, Vorstand, Clubkassier
-- und auch der Werkstattleiter!


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