Der homo sapiens in der Fliegerei


Der homo flugplacensis

Der homo flugplacensis ist eine durch Mutation entsandene Untergattung des homo sapiens (ordinärere Herdenmensch, 20. Jahrhundert). Er bevorzugt als Lebendraum weite, baumfreie Ebenen in abgelegenen Gebieten, oft auch im Moorland vorkommend und wird deshalb fälschlicherweise vielfach als Sumpfhuhn bezeichnet. Seine Hauptmerkmale sind Fliegerabzeichen auf dem Auto und im Knopfloch, nocturale Lebensgewohnheiten und phänomenale Kenntnis der aerodynamischen Gesetze. Ausgewachsene Exemplare werden von Neulingen der Species besonders verehrt und weisen patriarchaische Charakterzüge auf. Die Stammesältesten versehen der Überlieferung zufolge ihre Ämter meist bis nach ihrem psychischen Ableben.

Pilotus nullus motoris

Bevorzugt den motorlosen Flug, weil er bei dieser Flugart einen Fallschirm mitführen kann, ohne daß ihm Ängstlichkeit vorgeworfen wird. Frühaufsteher. Leicht nach oben verdrehte Augen, was oft als Frömmigkeit ausgelegt wird, in Wirklichkeit aber vom ständigen Blick auf die Wolken kommt. Ist hauptsächlich in Berufszweigen anzutreffen, die ein unbemerktes Abschleichen an schönen Tagen zulassen. Betreibt den Sport über's Wochenende jedoch auch offiziell. Betrachtet den Motorflieger als geistig minderbemittelten Montagehelfer, der als Schleppilot nie lernt, ihn in den richtigen Schlauch, auf die richtige Höhe und billig genug zu schleppen. Weiß alles über Ablösungen, Wellen und Inversionen und die unglaublichen Glücksfälle seiner ihm untelegenen Konkurrenten. Großer Erklärer der widerlichen Umstände, die ihn absaufen ließen. Träumt vom Besitz einer Orchidee, die er sich leisten kann, wenn er zum Fliegen zu senil ist und schafft sich deshalb schließlich einen Motorsegler an (aeroplanus castratus).

Pilotus vulgaris (gewöhnlicher Pilot)

Bevorzugt den motorisch angetriebenen Flug, weil ihm das Fehlen eines Fallschirms das übermäßige Zerknittern des Maßanzugs verhindert. Spätaufsteher. Leicht introvertierter Blick, was oft als Bescheidenheit oder Meditation ausgelegt wird, in Wirklichkeit aber vom Magenbrennen herrührt. Ist oft in Berufsgattungen zu finden, die das steuerliche Abschreiben von Flugauslagen über die Geschäftsbuchhaltung zulassen. Betreibt den Flugsport meist auf Plätzen, welche über ein gut geführtes Restaurant verfügen. Betrachtet den Segelflieger als Spinner, der immer zur Unzeit Hilfestellung für's montieren verlangt, nie im richtigen Schlauch klinkt und das beim Montiern versprochene Bier mit schöner Regelmäßigkeit zu zahlen vergißt. Weiß alles über VOR, ILS, ROGER und die Gebühren des Luftamtes. Großer Erzähler von kitzligen Situationen, in die er sich selbst hineinmanövriert hat, um seine fliegerischen Qualitäten unter Beweis zu stellen, und die sich am Stammtisch mit mittleren Lateinkenntissen ohne weiteres in ein abendfüllendes Drama umschreiben lassen. Experte für Flugunfälle, die er, selbst am Steuer, mit Sicherheit vermieden hätte. Träumt vom Besitz eines vollinstrumentierten IFR-Flugzeuges, daß er sich erst leisten kann, wenn er den damit auf jüngeren Damen erzielten Eindruck nicht mehr auszuwerten in der Lage ist. Schafft sich deshalb einen größeren Weinkeller an.

Pilotus montgolfieris

Meist in der Nähe von Gaswerken niedergelassen, bevorzugt den Flug mittels überdimensioniertem Fußball mit angehängtem Einkaufskorb, der auch zur Mitnahme der Champagnerflasche gebraucht wird. Sonntagssportler. Benötigt zum Aufsteigen Presse, Fernsehen und ein möglichst großes Publikum. Er sändelt während des Fluges, da er nicht rauchen darf. Spezialist für Sprechfunk, redet ununterbrochen, um den übrigen Luftverkehr über seine schöne Aussicht auf dem laufenden zu halten. Verachtet Flight-Level und Airways, indem er sie einfach als Luft behandelt. Landet mit Vorliebe in Baumgärten und in der Nähe von Starkstromleitungen. Navigiert mittels Schiffskompaß, Fernrohr und Kapitänsmütze. Träumt vom Besitz eines richtigen Heißluftballons, was bisher vom Luftamt mit Erfolg verhindert werden konnte. Aussterbende Gattung, wird demnächst unter Denkmalschutz gestellt. (Barspenden auf Konto VI-8365)
Anmerkung des Chronisten: Die Barspenden scheinen zur Bestechung des Luftamtes verwendet worden zu sein, denn die Heißluftballöner vermehren sich wie die Kannichen.

Pilotus restaurantis

Größte und bedeutenste Untergattung der Species. Ist in allen Flugplatzbereichen anzutreffen. Verfügt über umfassende Kenntnisse sämtlicher fliegerischen Belange. Kann in jeder Situation um Rat gefragt werden und erteilt diesen meist kostenlos. Verhinderter Flugkapitän. Großer Erzähler seiner Erlebnisse, die er in immer wieder neugefaßter Form spannend an Mann, Frau und Kind zu bringen weiß. Bildet das Rückgrad des lokalen Aero-Clubs und genießt große Verdienste. Nie aussterbende Gattung.


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