Segelflug anno 1924 auf der Rhön


(eingesendet von g.maleschka)

Den Forschungsdrang der Aufbauzeit
erschwerten viele Härten,
die Anfang's mit Beharrlichkeit
den Weg zum Ziel versperrten.

Zwar steigerte der Pionier
alljährlich seine Kenntnis,
doch amtlich hatte man dafür
kein Geld und kein Verständnis.

So zog man damals auf die Rhön
erfüllt von Idealen,
doch stets bedrängt von dem Problem
das Ganze zu bezahlen.

Die Kisten waren selbst gemacht
nach eigenen Ideen,
und oftmals sah man über Nacht
den tollsten Typ entstehen.

Ein schmaler Brettholm lag verstaut
im Göttinger Profile,
der gesamte Vogel war gebaut
nach primitivsten Stile.

Und ging die Arbeit nicht vom Fleck
und war kein Geld vorhanden,
so dass die Flieger oft den Weg
zu neuem Werkstoff fanden.

Mit selbstgeklauten Bambusrohr
und ausrangierten Besen,
ging man im Notfall schließlich vor
um das Problem zu lösen.

Nur spröder Stahldraht war gespannt
den Flügel hoch zu halten,
und um zugleich den Rumpfverband
verdrehsteif zu gestalten.

Mit Spieren klopfen fing es an
nach freier Bauanleitung,
als Nächstes kam der Spannturm dran
und dann die Sitzverkleidung.

Als nun das Sperrholz fällig war
für Boot und Flügelnase,
war zur Beplankung alles klar
bis auf die leere Kasse.

Doch überwand man in der Not
auch diese Bauetappe,
und nahm für Flügelhaut und Boot
nicht Sperrholz, sondern Pappe.

Erzeugte diese Werkstoffart
auch später große Falten,
das Geld, was man dabei erspart,
blieb für den Stoff erhalten.

Auch beim Bespannstoff forschte man
nach billigsten Geweben,
und pflegte sie mit Kleister dann
behutsam aufzukleben.

Beim Imprägnieren ging man auch
höchst wirtschaftlich zu Werke,
und wenn der Spannlack alle war,
dann nahm man Hoffmann's Stärke.

Zwar dichtete das wunderbar
so konn't es oft passieren,
dass es nach Regen nötig war
erneut zu imprägnieren.

Um SBO und Luftgesetz
entstanden kaum Debatten,
in völlig liberaler Form
ging jeder Flug vonstatten.

Man schnellte nur wie ein Geschoß
vom Gummiseil gezogen,
zum Jungfernflug am Steilhang los
und ward bald eingeflogen.

Blieb das Gerät bis Abend heil
war es ein Grund zum Feiern,
sonst galt es das zerstörte Teil
bald möglichst zu erneuern.

Hier war es strenge Tradition
in nächtelangen Schichten,
die Reparatur bis Sonntag schon
fachkundig zu verrichten.

Die Bauern, die den Bruchverlauf
hoch lachend miterlebten,
erstaunten sehr, wenn kurz darauf
die Kisten wieder schwebten.

War der Defekt nur mittelschwer,
mit Bruch von Holm und Spieren,
da war es Sitte, das Maleur
sofort zu reparieren.

Mit Leukoplast und Bindedraht
und Nägeln jeder Stärke,
mit Klebelack und mit Spagat
ging man geschickt zu Werke.

Rasch leimte man den Schaden dann
nach kluger Arbeitsteilung,
die Bruchlast überprüfte man
nur mittels Daumenpeilung.

Nach 10 Minuten Flickerei
durch technische Experten,
erscholl erneut der Jubelschrei
Es kann geflogen werden.

So pflegte man zur Aufbauzeit
dem Rhöngeist zu genügen,
und war beständig startbereit
zu neuen Forschungsflügen.

Blieb auch die Leistung anfangs meist
noch dürftig und bescheiden,
schuf doch der Kameradschaftsgeist
die schönsten Fliegerfreuden.

Man wusste nichts von FBO
und von den Sichtflugregeln,
man konnte ohne Risiko
auch ohne Regeln segeln.

Wenn Sonntags dann das Wetter schön
war die Stimmung groß,
denn da erschall es auf der Rhön
Ausziehen, Laufen, Los.


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