Des Segelfliegers Albtraum


von Daniel Vidic

Einst träumte ich in kaltem Fieber
Den Alptraum aller Segelflieger,
Von einem schweren Schicksalsschlag,
Vom Flugverbot am Thermiktag.
Ich habe es nicht selbst verschuldet,
Verstand es anfangs selber kaum,
Stillschweigend hab ich es erduldet,
Aber zum Glück war's nur ein Traum:

Die Arbeitswoche geht zu Ende.
Ich radle auf das Fluggelände.
Ein Sommersamstag, hell und klar,
mit Thermikwolken, wunderbar.
Auf mit den schweren Hangartoren,
Die graue Wolkenbasis ruft!
Am Boden hab ich nichts verloren,
Denn Flieger müssen in die Luft!

Sorgfältig prüfe ich die Kiste
nach meiner vorgeschriebnen Liste,
Dass alles ordentlich geschmiert
Und jedes Ruder funktioniert.
Der Check ist fertig und ich bringe
Den Fallschirm und die Batterien,
Hoffe, dass mir der Flug gelinge
Und schaue wie die Wolken ziehn.

Als ich mich nun zum Start begebe
Und meinen linken Daumen hebe,
Zu zeigen meinem Flügelmann,
Dass er die Fläche heben kann,
Da hör ich eine Stimme sprechen,
Die aus dem Funkgerät ertönt:
"Du musst sofort den Start abbrechen,
Weil dich der Wind verblasen könnt."

Auf Strecke ist er nie gewesen,
Doch irgendwo hat er gelesen,
Dass bei ein bisschen Seitenwind
Segelflüge nicht möglich sind.
Ich muss mich widerwillig fügen,
Räume den Segler wieder ein,
Verärgert, denn ich kann nicht fliegen,
Setz mich aufs Rad und fahre heim.


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