Die Fliegerei - das wird man finden -
ist auch historisch zu begründen,
wie alles, was auf dieser Welt
was aus sich macht und auf sich hält.
Im Mittelalter war bekannt
da Vinci im Italierland,
auch Leonardo stolz geheißen.
Der malte oft auf einer weißen
gerahmten Leinwand wie ein Wilder
die allerschönsten Frauenbilder,
die mit geheimnisvollem Lachen
noch jetzt die Manner rasend machen.
Da Vinci war ganz nebenher
universeller Konstrukteur.
Ob Sturmgeschütz, ob Korselett,
kardangetriebenes Ehebett,
ob Festungsbrücken, Wasserwerke -
Erfindergeist war seine Stäke,
und so erfand er damals schon
die erste Flugzeugkonstruktion,
die als Modell zwar interessant,
doch leider nur am Boden stand.
In Deutschland fing ein kluger Mann
mit ähnlichen Problemen an.
Das war Hans Hautsch, der seinen Ruf
durch Sicherheitsgeräte schuf.
So baute er in jenen Tagen
den allerersten Krankenwagen
und auch - nein, das sind keine Witze -
die erste Großbrandfeuerspritze
(womit er damals schon beweist,
was deutsche Gründlichkeit man heißt,
dieweil das R- und S-Gerät
vor fliegerischem Einsatz geht).
Von Hautschens Aviatikplänen
weiß man sehr viel nicht zu erwähnen.
In Augsburg war zur gleichen Zeit
der Schuster Idler schon bereit,
mit Vogelflügelaeroplan
vom Turm der Erde sich zu nah'n.
Sein Ziel war eine kleine Brücke.
Sie brach dabei in tausend Stücke,
worauf sein Flugwerk er empört
am Boden restlos hat zerstört.
Den besten Namen aber trug
von Ulm der Schneider, dessen Flug
vom Münster in die Donau klar
ein Zielanflug mit sideslip war,
um Achtzehnhundert Sensation
und kleiner Flugtag der Nation.
In der Erkenntnis, daß die Kraft
von Schwingenflügeln es nicht schafft,
des Menschen Körper anzuheben
und mit ihm durch die Luft zu schweben,
war man geneigt den Luftfahrzeugen,
die mittels Heißluft höher steigen.
In Wien begann sich drum zu regen
ein wenig später Jakob Degen.
Doch sein Ballonstart der ging schief,
weshalb man "Geld zurück!" gleich rief.
Und gänzlich ledig seiner Zügel
gab ihm das Volk dazu noch Prügel
(wahrscheinlich Ursprung des Jargon:
Ich knall dir eins vor den Ballon !).
In Frankreich sind es - steht zu lesen -
Gebrüder Montgolfier gewesen,
die eine lufterhitzte Füllung
in eine kugelgleiche Hüllung
zu bringen wußten, die sodann
zu schweben schwerelos begann.
Den Nutzen sah man bald daher
im Luftfahrtpassagierverkehr.
Dazu erkannte man sehr richtig:
Die Luftfahrt ist strategisch wichtig!
Und Achtzehnhundertsiebzig schon
flog als Kurier ein Freiballon,
wodurch man erstmals aus Paris
nach außen sich vernehmen ließ.
So zielte die Entwicklung hin
zu Parsifal und Zeppelin,
die sich - und das war zu begrüßen -
bewußt und planvoll steuern ließen.
Man muß sie - was wir stolz bekennen -
als Pioniertat stets benennen.
Indes - der Plan war nicht verpufft
vom Flugzeug schwerer als die Luft.
Und so versuchten es nochmal
die beiden Brüder Lilienthal.
Sie bauten einen Hängegleiter.
Der war Urahn und Wegbereiter
für alle neuen Flugzeugtypen,
ob sie die Stratosphäre clippen,
ob sie in Warteräumen fliegen,
vergeblich hoffend, "Grün" zu kriegen,
ob sie - vom Düsenstrahl getrieben -
Schallmauern brechen und verschieben.
Aus allem ziehen wir die Lehre:
Der Umstand, daß die Erdenschwere
durch Vortrieb, Auftrieb, Widerstand
endgültig Überwindung fand,
ist auf den Mut zurückzuführen,
der jenen Luftfahrtpionieren
zu eigen war. Drum achtet sie
die stolze Luftfahrthistorie.
Bedenkt, daß - wenn ihr sie verkündet -
ihr euch (vielleicht) einst selbst dort findet!
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