Wer nach vierzig Fluglehrstunden
seine Schwerkraft überwunden,
astrein fliegt und dabei nie
ganz vergaß die Theorie,
der ist vom Pilotenschein
nicht mehr allzu weit. Allein
bietet sich der Fliegersippe
eine tückisch-böse Klippe:
Prüfung nennt man das Verfahren,
das verlangt, zu offenbaren,
ob im Steißbein gut entwickelt
fliegerisches Fühlen prickelt;
ferner, ob auch der Verstand
alles richtig hat erkannt.
Böse Träume quälen, plagen
nachts vor diesen schweren Tagen,
und der Fliegerkandidat
sieht den hohen Prüfungsrat
gleichsam wie lnquisitoren,
die mit spitzen Fragen bohren.
Ja, beim Prüfungsflug im Traum
landet er in einem Baum.
Schweißgebadet und voll Sorgen
wacht er auf am nächsten Morgen.
Endlich wird nach soviel Bangen
mit der Prüfung angefangen.
Schriftlich heißt es zu beweisen
mittels Strecken, Winkeln, Kreisen
Kompaßkurs und Windbestimmung.
Was sind Sog und Flossentrimmung,
Ruderausgleich, Höhenmesser,
Ölrohrbruch und Kolbenfresser,
Federbein, Propellernabe,
Sichtflugregeln, Startfreigabe?
Er muß den Vergaser kennen,
der vereisen kann und brennen,
und was er nicht schriftlich sagt,
wird er hinterher gefragt.
Nun, er zeigt sich - wenn auch spät -
aviatisch "up to date".
Voller Stolz wölbt sich sein Brustbein.
Mit gestärktem Selbstbewußtsein
blickt er beinah schon verwegen
jenem Prüfungsteil entgegen,
der als "praktisch" ist bekannt.
Hoffnungsvoll legt seine Hand
um den Knüppel sich. Er startet,
während unten kritisch wartet
jener Mann, dem es obliegt
zu entscheiden, ob genügt,
was per Flugzeug man serviert
und als Prüfung zelebriert.
Dort in fünfmal hundert Meter
Höhe steile Kreise dreht der
Aspirant, nachdem die Touren
des Motors auf Leerlauf spuren.
Ohne seines Triebwerks Stärke
geht behutsam er zu Werke,
um am Landekreuz zu sitzen.
Er berechnet unter Schwitzen
Landekurve links und Wind,
kommt zu hoch an und beginnt
einen Riesenslip deswegen
"kalifornisch" hinzulegen.
Und er landet auf die Schnelle
Dreipunkt an der rechten Stelle.
Weil ihm das so gut geraten,
startet er zu neuen Taten,
zeigt dem strengen Publikum
nun das Ganze rechts herum.
Grün schießt man beim dritten Mal,
und er landet auf Signal.
Letzten Endes macht ihm Spaß
dann die Landung, die mit Gas
an den Platz heranzuziehen
er geschickt sich muß bemühen.
Federleicht und zart beschwingt
setzt er auf. Als es gelingt
ihm auch diesmal gut zu landen,
heißt das Prädikat: Bestanden!
Aviatiker und Freunde!
Es ist Ziel der Fluggemeinde,
daß sie ständig sich vermehre.
Aerotiken zur Ehre
sei deshalb das Glas erhoben,
sie für ihre Gunst zu loben!
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