Der "Self-made-man"


Ein Flieger, der am Rollfeldrand
allein mit seiner Mühle stand,
war - weil des Wartens überdrüssig -
sich seines Zieles plötzlich schlüssig:
Obwohl kein Bremsklotz vorgelegen
und niemand anders war zugegen,
hat er den Brandhahn aufgemacht
und auch die Zündung mit Bedacht
gleich auf M 1 und 2 gesetzt.
Zur Anlaßkurbel griff er jetzt,
und wie der Leierkastenmann
fing er ein munteres Orgeln an.
Der Motor pflegt meist unter Beten
und Fluchen nur in Gang zu treten.
In diesem Fall kam er sofort.
Doch eh der Piloteur an Bord,
riß durch sein Schütteln der Motor
den gelbbeknauften Hebel vor,
wodurch das Kraftstoff-Luft-Gemisch
aus dem Vergaser schnell entwich.
Es sprang die Drehzahl auf Zwotausend.
Die Latte aber - saugend, brausend -,
die brachte, ohne es zu wollen,
den Stein (lies Flugzeug) rasch ins Rollen.
Der Flieger, anfangs stark entsetzt,
war flink nach Backbord hin entwetzt.
Im letzten Augenblick jedoch
griff er in jenes kleine Loch,
das an der Fläche wohlbegründet
als Handgriff dort Verwendung findet.
Das Flugzeug, Vollgas angetrieben,
begann im Kreise loszustieben,
nur an der linken Flächenspitze
gehalten durch die Handgriffritze.



Bald glich das Ganze auf ein Haar
dem besten Eislaufmeisterpaar.
Es kann Zentrifugalgewalten
der stärkste Mann nicht dauernd halten.
Sein Kräftevorrat schmolz rapide,
und abgekämpft, durchschwitzt und müde
ließ er dem Vogel freien Lauf.
Doch der hört wenig später auf.
An einer großen Flugzeughalle
zerschellt das Ding mit lautem Knalle.
Das Drama war sehr schnell beendet,
nachdem viel Flüssigkeit verschwendet
(ganz überflüssig zu erwähnen
des Fliegers Klage unter Tränen).
So gilt für uns als Offenbarung
die fliegerische Grunderfahrung:
Beachte stets und auch beizeiten
die vielgeschmähten Kleinigkeiten.
Allein kann man nicht alles machen,
sonst weinst du, während andere lachen!


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